Gottesdienst für Zuhause

Zum Gründonnerstag gibt es hier ein kurzes Video mit einem Impuls sowie ein Gottesdienstblatt für Zuhause. Der Impuls zum Gründonnerstag liegt auch in der Christus-Kirche aus bzw. hängt als „Gottesdiesnst zum Mitnehmen“ vor der Kirchentür der Christus-Kirche.

Auch an den folgenden Feiertagen wird es hier jeweils einen kurzen Video-Impuls geben.

Die Gedanken aus dem Video-Impuls gibt es im Folgenden noch einmal als eine Leseandacht:

Psalmgebet

Ich lobe meinen Gott
mit allem, was ich bin.
Ich preise seinen Namen
mit allen, die seinem Weg folgen.

Der Ewige hat ein Denkmal erbaut,
damit ich nie vergesse, was er tut,
ein Zeichen der Erinnerung.

Meinen Hunger stillt er
mit einem Stück Brot.
Treu steht er mir zur Seite.

Was der Wahrhaftige sagt, ist wahr.
Was der Gerechte tut, ist gerecht.
Die Freiheit hat mich zum Leben befreit.

Ein Schauer erfasst mich,
ein verwundertes Staunen;
damit fängt die Weisheit an.
Sein heiliger Name bleibt in Ewigkeit.

Nach Psalm 111

Bibeltext

Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth:

„Ich habe selbst vom Herrn eine Überlieferung empfangen. Und die habe ich euch weitergegeben:

In der Nacht, in der er verraten wurde, nahm der Herr Jesus das Brot. Er sprach das Dankgebet, brach das Brot in Stücke und sagte: ‚Das ist mein Leib für euch. Tut das immer wieder zur Erinnerung an mich!‘ Genauso nahm Jesus nach dem Brot den Becher und sagte: ‚Dieser Becher steht für den neuen Bund, den Gott mit euch schließt. Er kommt zustande durch mein Blut. Immer, wenn ihr aus dem Becher trinkt, tut das zur Erinnerung an mich!‘

Denn sooft ihr dieses Brot esst und aus diesem Becher trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn – bis er wiederkommt!“

1. Korinther 11,23-26 (nach der Basisbibel)

StattPredigt: Ich gehöre dazu

Zu Sylvester gibt es in Deutschland ein merkwürdiges Ritual: Man schaut miteinander einen alten, englischen Fernsehsketch an: „Dinner for one“. Eine alte Dame feiert ihren 90. Geburtstag. Aber weil alle alten Freunde längst tot sind, schlüpft Butler James in ihre Rollen: Die Situation ist absurd: Ein Abendessen im Kreis der Freunde – aber nur für eine Person. Und trotzdem besteht Miss Sophie darauf: „Some procedure as every year, James!“ Derselbe Ablauf wie jedes Jahr.

Für mich wirkt der alte Sketch wie eine Parodie auf das Abendmahl. In diesem Jahr, unter dem Eindruck der Corona-Pandemie, in besonderer Weise. Die Gottesdienste in der Heiligen Woche fallen aus. Sie finden zum Teil im Internet statt – oder als Gottesdienst zum Mitnehmen. Und plötzlich taucht die Frage auf: Können wir Abendmahl auch online feiern – zuhause und jeder für sich? „Same procedure as every year?“ Obwohl nichts ist, wie jedes Jahr? Supper for one? Ein Abendmahl für einen allein?

Mir wird in dieser Situation klar, was mir selbst wichtig ist am Abendmahl: die Gemeinschaft mit anderen. Klar, es gibt auch das Abendmahl für Kranke im Krankenhaus. Aber dabei mache ich immer deutlich: „Abendmahl feiern wir eigentlich zusammen mit anderen. Und wenn ich dir das Abendmahl ans Krankenbett bringe, dann zeige ich dir: Du gehörst dazu. Und wir freuen uns miteinander darauf, dich bald wieder zu sehen.“ Abendmahl und Gemeinschaft gehören eng zusammen.

Als ich ein Kind war, gab es in unserer Kirchengemeinde ab und zu Familiengottesdienste. Bis heute sind mir dabei Gottesdienste mit Abendmahl in Erinnerung geblieben. Wir kamen als Kinder mit nach vorne, standen mit Eltern und Großeltern in einem großen Kreis. Und dann bekamen wir Kinder Weintrauben in die Hand. Es gibt Leute, die das kritisieren: „Das ist kein echtes Abendmahl!“ Aber für mich als Kind war die besondere Erfahrung: „Ich gehöre dazu!“ Dieses Gefühl als Kind ist für mich bis heute mit jedem Abendmahl verbunden.

Ums Abendmahl hat es schon immer Streit gegeben. Schon als Paulus der Gemeinde in Korinth vom Abendmahl geschrieben hat, standen im Hintergrund Konflikte und Grüppchenbildung. Paulus erinnert an den Abend, als Jesus das letzte Mal mit seinen Jünger gegessen hat. Gründonnerstag erinnert an genau diesen Abend. Paulus will den Streit schlichten, die Gemeinschaft wieder herstellen. Aber durch die Kirchengeschichte flammt bis heute der Streit ums Abendmahl immer wieder auf. Dass wir als evangelische und katholische Christen nicht miteinander Abendmahl feiern können, ist nur eines der Beispiele dafür. Abendmahl zielt auf Gemeinschaft, sorgt aber dennoch für Streit.

Der Kirchenvater Augustinus hat einmal geschrieben, was für ihn Gemeinschaft auszeichnet: „Miteinander reden und lachen. Sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen. Sich necken, aber auch einander Achtung erweisen. Mitunter auch sich streiten, aber ohne Hass. Manchmal auch in den Meinungen auseinander gehen und damit die Eintracht würzen, einander beleben und voneinander lernen.“ Für mich ist es in Ordnung, das andere mit neuen Formen auch des Abendmahls experimentieren. Vielleicht lernen wir daraus etwas für die kirchlichen Gemeinden der Zukunft.

Für Augustinus gehört noch etwas zur Gemeinschaft: „Die Abwesenden schmerzlich vermissen.“ Wer etwas vermisst, wird aufmerksam für das, was einem wichtig ist. Unser Handarbeitskreis trifft sich nicht. Die Frauenhilfe fällt aus. Es gibt kein Seniorenfrühstück, keinen Gospelprojektchor, keinen Traineekurs, keinen Kinderkirchentag. Es gibt keine Gottesdienste und – zumindest bei uns in Beckum – auch kein Abendmahl. Wir brauchen die Gemeinschaft mit anderen. Und sie fehlt.

Indem ich es vermisse, wird mir das Gefühl bewusst, das ich mit dem Abendmahl verbindet: Das Gefühl von einer großen Gemeinschaft. Ich bin Teil einer großen Familie. Ich bin Teil einer großen Geschichte, die mit Jesus anfangen hat. Ich bin Teil von etwas, das den ganzen Globus umspannt. Ich gehöre dazu.

Segensgebet

Gott, du bist an unserer Seite.
Öffne unsere Augen für fremde Not.
Stärke unsere Hände für die gute Tat.
Fülle unsere Herzen mit Barmherzigkeit,
Barmherzigkeit auch mit uns selbst.
Segne uns, gütiger Gott.

Pfarrer Karsten Dittmann, Ev. Kirchengemeinde Beckum

Die kurze Andacht zum Lesen mit Psalm, Bibeltext, Gedanken zum Tag und einem Segensgebet gibt es hier als PDF zum Herunterladen.