Gottesdienst für Zuhause

Ein kurzer Gottesdienst für die Andacht zuhause zum Sonntag Misericordias Domini, den 26. April 2020. Ein Faltblatt dazu hängt wieder auf der Leine vor der Christus-Kirche.

Psalmgebet

Gott ist mein Hirte.
Er sorgt für mich.
Wie ein Hirte seine Schafe führt
auf eine saftige Weide und zum frischen Wasser,
so führt Gott mich.
Er gibt mir neue Kraft und weist mir den Weg.

Führt mein Weg durch die Schlucht der Todesschatten,
habe ich keine Angst, denn du bist bei mir.
Was mich bedroht, wehrst du ab.
Komm ich vom Weg ab, so ziehst du mich zu dir;
das macht mir Mut.

An einem gedeckten Tisch nehme ich Platz.
Ich esse in aller Ruhe, obwohl böse Menschen mich umringen,
denn du sitzt an meiner Seite.
Du heißt mich willkommen
und füllst mir den Becher bis zum Rand.
Mein Leben füllst du mit Güte.
Im Haus des Ewigen wohne ich sicher
jetzt und alle Zeit.

Nach Psalm 23

Bibeltext

Der Apostel Petrus schreibt in einem Brief:

„Christus hat ja für euch gelitten und hat euch damit ein Beispiel hinterlassen. Tretet in seine Fußstapfen und folgt ihm auf dem Weg, den er euch vorangegangen ist –  er, der keine Sünde beging und über dessen Lippen nie ein unwahres Wort kam; er, der nicht mit Beschimpfungen reagierte, als er beschimpft wurde,  und nicht mit Vergeltung drohte, als er leiden musste, sondern seine Sache dem übergab, der ein gerechter Richter ist; er, der unsere Sünden an seinem eigenen Leib ans Kreuz hinaufgetragen hat,  sodass wir jetzt den Sünden gegenüber gestorben sind  und für das leben können, was vor Gott richtig ist.

Ja, durch seine Wunden seid ihr geheilt. Ihr wart umhergeirrt wie Schafe, die sich verlaufen haben; doch jetzt seid ihr zu dem zurückgekehrt, der als euer Hirte und Beschützer über euch wacht.“

1. Petrus 2,21b-25 (Neue Genfer Übersetzung)

StattPredigt: Große Fußstapfen

Ich sitze am Strand und sehe den Kindern beim Spielen zu. Sie spielen ein Spiel, das ich schon gespielt habe: sie versuchen im Sand in die Fußstapfen von Erwachsenen zu treten. Das macht ihnen sichtlich Spaß. Es ist auch lustig, weil sie merkwürdig große Schritte machen müssen. Aber es steckt auch ein kleiner Ernst darin: Die Kunst ist nämlich, genau die Fußspur zu treffen, ohne sie kaputt zu machen.

Ich stelle mir vor, wie Petrus als Fischer am Strand saß und die Kinder bei genau diesem Spiel beobachtete. Wahrscheinlich hat er das Spiel selber früher gespielt. Jahrzehnte später – Petrus ist längst kein Fischer mehr, sondern ein Bote der guten Nachricht von Jesus – da schreibt er einen Brief. Was heißt: Jesus nachfolgen? Petrus fällt diese Situation der Kinder ein, die versuchen, einer Spur im Sand zu folgen. Jesus nachfolgen heißt, in seine Fußstapfen zu treten.

„Sind das nicht zu große Fußstapfen?“, höre ich Sie fragen. Ja klar, es sind gewaltig große Fußstapfen. Aber offenbar hat Jesus uns zugetraut, dass wir dieser Spur folgen können. „Folge mir nach!“, hat Jesus zu Petrus gesagt, zu Andreas, zu Johannes … Und die haben es weitergesagt, und so haben auch wir davon erfahren.

Die Fußstapfen von Jesus sind nicht die ersten auf diesem Weg. Jesus folgt bereits einem Pfad, den andere schon vor ihm beschritten haben. In der Bibel werden solche Leute „Gerechte“ genannt. Der Prophet Jesaja hat einen ganzen Liederzyklus geschrieben, um so einen Gerechten auf seinem schwierigen Weg zu besingen. Es sind Lieder, wie für unsere Zeit geschrieben.

In einem Vers heißt es sinngemäß: Der Gerechte ist einer, der die Wahrheit liebt. Denn die Leute lügen und betrügen. Sie setzen Fake News in die Welt. Aber der Gerechte bleibt bei der Wahrheit, selbst wenn er Nachteile davon hat.

Oder denken Sie an den rauen Ton, der überall beklagt wird: im Internet, im Straßenverkehr, bei politischen Auseinandersetzungen. Ein Wort ergibt das andere, keiner lässt was auf sich sitzen. Doch der Gerechte in Jesajas Liedern ist anders: Wenn der Gerechte beleidigt und beschimpft wird, schimpft und beleidigt er nicht zurück. Und wenn er ungerecht behandelt wird, dann wiedersteht er dem Drang, sich zu rächen und zu vergelten.

Die Welt wird doch um nichts besser, wenn wir den Spieß bloß umzudrehen und mit gleicher Münze zurückzahlen. Auch wer heimzahlt macht sich schuldig. Der Gerechte versucht, nicht an anderen schuldig zu werden. Jesus ist diesen alten Pfad der Gerechten gegangen.

Petrus hat das erkannt. Er hat ein Lied von Jesaja in seinen Brief aufgenommen. Jesus war nicht der erste, der diesen Weg gegangen ist, aber seine Fußstapfen zeichnen sich besonders deutlich ab.

Klar sind das große Fußstapfen. Aber es wäre ein völliges Missverständnis, wenn man meinen würde: Ich muss diesen Weg Schritt für Schritt fehlerlos nachgehen. Das geht nämlich nicht. Und darum geht es auch gar nicht. Petrus hat eine ganz andere Idee.

Kennen Sie Slacklines? Das sind Spanngurte, die man zum Beispiel zwischen Bäume spannt, und dann kann man über diese Schnur balancieren. Slacklines sind nicht besonders hoch gespannt. Wenn man die Balance verliert, ist das nicht schlimm. Man kann runterspringen und an der gleichen Stelle wieder aufsteigen, sich ausbalancieren und versuchen, weiter zu gehen. Gut ist natürlich, wenn da jemand neben einem steht, der einem zur Not die Hand gibt. Dann kommt erstmal wieder Ruhe rein, bevor man weitergeht.

Die Idee von Petrus ist: Jesus ist genau so einer, der mich zur Not an die Hand nimmt oder mir eine Schulter bietet zum Aufstützen. Jesus ist ein Hüter und ein Aufpasser, ein Hirte und Beschützer für meine Seele. Wenn ich zu sehr schwanke, wenn meine Beine zittrig werden und auch bei einem Fehltritt gibt er mir seine Hand. Wenn ich wieder in Balance bin, dann geht es weiter.

Der Weg des Gerechten ist kein Weg für Rechthaber, für Besserwisser und Alles-richtig-Macher. Der gute Vorschlag von Petrus ist: Versuch einfach dem Weg zu folgen, den Jesus gegangen ist. Folge seinen Fußstapfen. Das wird nicht immer hinhauen. Aber immer dann, wenn’s schwierig wird, ist es, als wäre Jesus nur eine Armlänge weit entfernt, der Hirte und Beschützer deiner Seele. Du nimmst seine Hand und es geht weiter, Schritt für Schritt.

Segensgebet

Gott, schütze uns, wo wir gehen und stehen,
und segne unser Tun.
Gott, wache über uns, wenn wir ruhen,
und erfülle unsere Herzen mit Frieden.
Gott, heile uns an Leib und Seele
und stärke uns für unseren Weg.

Pfarrer Karsten Dittmann, Ev. Kirchengemeinde Beckum